Die Germanen – Vorfahren der Deutschen?

Die Germanen – Vorfahren der Deutschen? Im Verlauf von Jahrhunderten wurden diesen Menschen vieles nachgesagt. Ungewaschene Barbaren sollen sie gewesen sein, sagten einige. Andere sagten, sie waren stolze, heldenhafte Krieger.germania-vor-der-varusschlacht

Vor der Varusschlacht: Römer und Germanen. Bildnachweis: Dietwald Doblies

Viele glauben, dass die Germanen der Ursprung dessen sind, was wir heute als Deutschland kennen. Aber stimmt das auch?

Wer waren sie? Woher kamen sie?

Wissenschaftler sind sich überwiegend einig, dass die Indogermanen (oder Indoeuropäer) vom Schwarzen Meer bzw. aus dem Süden des heutigen Russland stammen. In mehreren Schüben wanderten sie nach Europa, den heutigen Iran und Indien.

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Migration der indoeuropäischen Stämme ca. 4000 bis 1000 v. Chr. Bildnachweis:   Wikipedia.

Aus den so immer wieder geteilten Völkern bildeten sich zahlreiche Volksgruppen, die wir heutzutage als Perser, Nordinder, Kelten, Griechen, Römer, Slawen und, klar, Germanen kennen. Dabei vertrieben sie die einheimischen Bewohner, oft aber tauschten sie sich auch mit ihnen aus. Was bedeutet das? Nun, die germanischen Stämme waren eine Zeit lang neu, man könnte auch sagen: Gäste. Durch den Kontakt zu den jeweils einheimischen Bewohnern veränderten sich mit der Zeit auch die germanischen Stämme: sie veränderten sich je nach Region unterschiedlich, und grenzten sich durch ihre Kultur voneinander ab.

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Die germanischen Stämme um 100 n. Chr. Bildnachweis: Wikipedia.

Antike Irrtümer

Wie wir heute wissen, haben die Germanen keine schriftlichen Überlieferungen hinterlassen. Die frühesten Beschreibungen über sie stammen von römischen und griechischen Autoren ab (z.B. Tacitus und Caesar), denen wir nur bedingt trauen können: Zum einen haben viele ihre Beschreibungen nach mündlichen Berichten angefertigt, haben also nie einem lebenden Germanen gegenüber gestanden. Zum anderen wurden Germanen und Kelten oft miteinander verwechselt oder in einen Topf geworfen. Für einen Römer war das wahrscheinlich kein großes Problem, man hatte in Rom eben ein festes Bild von dem Barbaren.

„Daher auch, unerachtet der großen Menschenzahl, überall der gleiche Schlag:  hellblaue trotzige Augen, rotblondes Haar, gewaltige Leiber, nur zu Tat und  ungestümen Drängen taugend.“ Aus: Cornelius Tacitus: Die Germania, S. 3.

„ Für die Stämme bedeutet (ist) es der grösste Ruhm, Ödland zu besitzen, nachdem das Gebiet um sie herum möglichst weit (möglichst ausgedehnt) verwüstet worden ist.“ Aus: Julius Gaius Caesar: De bello gallico/Der gallische Krieg VI. Buch, Kapitel 23.

Später benutzen die Gallier den Germanenbegriff, um sich abzugrenzen. Wenn damit Furcht zu erzeugen war, nannten sich auch verschiedenste Volksgruppen Germanen.

Und was ist mit den Deutschen?

Unbestritten ist, dass sich einige germanische Stämme im heutigen Deutschland ansiedelten. Der Begriff „deutsch“ stammt vom germanischen Wort „teodisc“ und bedeutet „zum Volk gehörig“. Hier ist eine genauere Erklärung zu dem Begriff:

„Teodisc“ oder „deutsch“ verwendete die lateinisch sprechende Oberschicht im frühen Mittelalter, um sich von den einfachen Leuten, die germanische Dialekte sprachen, zu unterschieden. Aber es lebten damals dort nicht nur Germanen: An Ortsnamen wie dem heutigen Schkeuditz und Lützschena in Sachsen oder Großmenow in Mecklenburg-Vorpommern erkennt man die slawische Besiedlung.

Sind also die Germanen die Vorfahren der Deutschen? Ja, aber sie teilen ein viel größeres kulturelles Erbe mit anderen Völkern, als man zunächst vermutet.

Und heute?

In den letzten Jahrhunderten wurden die Germanen und ihre Kultur in Deutschland wiederholt für politische Ziele instrumentalisiert. Bekannteste und umstrittenste Beispiele sind das Hermannsdenkmal, das Niederwalddenkmal und die Germania, sowie der Niebelungenmythos.

Auch heute passiert ähnliches. Auch die AfD bezieht sich auf eine vermeintliche Abgrenzbarkeit der deutschen gegenüber anderen Kulturen. Wer sich noch weiter informieren möchte, findet hier ein spannendes Video zum Thema.

Zum Weiterlesen:

  • Bemmann, Klaus: Arminius und die Deutschen. Essen 2002.
  • Bönisch, Georg: Traumbild der Ahnen. In: Der Spiegel 2/2013, URL: http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelgeschichte/d-91705308.html [letzter Zugriff 23.05.2017].
  • Buchen, Stefan: Aufstieg auf dem Rücken der anderen- die historischen Vorbilder der AfD. URL: http://daserste.ndr.de/panorama/aktuell/Aufstieg-auf-dem-Ruecken-der-Anderen,afd620.html [letzter Zugriff 23.05.2017].
  • Dörner, Andreas: Politischer Mythos und symbolische Politik: der Hermannmythos: Zur Entstehung des Nationalbewußtseins der Deutschen. Hamburg 1996.
  • Gaius Julius Caesar: De bello gallico/Der gallische Krieg. Dt. Übersetzung. Stuttgart 2010.
  • Jankuhn, Herbert; Beck, Heinrich [u.a.] (Hrsg.): Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Berlin [u.a.] seit 1973.
  • Kipper, Rainer: Der Germanenmythos im Deutschen Kaiserreich. Göttingen 2002.
  • Künzl, Ernst: Die Germanen, Darmstadt 2015.
  • Schuppener, Georg: Vereinnahmung germanischer Mythologie im rezenten Rechtsextremismus – Sprache und Symbolik. In: bpb, URL:

    http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/41446/die-sprache-des-rechtsextremismus [letzter Zugriff 23.05.2017].

  • Stau, Christian: Kommen die Bayern aus dem Orient?. In: Zeitonline,  URL: http://www.zeit.de/2015/44/deutsche-abstammung-migration-geschichte-mittelalter-johannes-fried [letzter Zugriff 23.05.2017].
  • Tacitus: Die Germania. Leipzig. 1915.

 Bild- und Videonachweis:

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