Die Schlacht im Teutoburger Wald – Ein deutscher Gründungsmythos?

gunkelhermannsschlacht

Gemälde von Friedrich Gunkel (1862-1864). „Hermann“ wurde hier als „Deutscher“ stilisiert. Das Bild zeigt nicht, wie es wirklich war!

Wir schreiben das Jahr 9 n. Chr. Die Römer sind dabei, ganz Germanien zu unterwerfen. Ganz Germanien? Nein. Ein Mann leistet Widerstand. An der Seite seiner treuen Krieger vereint Arminius die germanischen Stämme gegen die fremden Besatzer und erringt einen glänzenden Sieg. Hier beginnt die Geschichte der Deutschen. Zumindest, wenn es nach den Köpfen einiger Leute geht. Obwohl: Deutsche gab es doch damals gar nicht, oder?

Was geschah im Teutoburger Wald?

Das lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Die auch als Varus- oder Hermannsschlacht bekannte Auseinandersetzung könnte laut wissenschaftlichen Untersuchungen dort, aber auch an anderen Orten im westfälischen und sogar im niederländischen Raum stattgefunden haben. Und die Zeitgenossen? Haben leider hier zu wenig überliefert. Fest steht nur: es gab eine Schlacht zwischen Römern unter dem Feldherrn Varus und Germanen, angeführt von einem gewissen Arminius, welche letztlich siegten. Das Bild davon, was dieser Sieg nun für ein Land, das man später Deutschland nennen sollte, bedeutete, wurde erst von späteren Jahrhunderten farbig ausgemalt.

Arminius der Römer

Einige Leute  machten im 18. Jahrhundert aus Arminius einen deutschen Asterix, um sich gegen von den Franzosen geäußerte Vorurteile zu wehren, die Deutschen seien kulturlos und rückständig. Rund hundert Jahre später wurde der Vorzeige-Germane als ideologische Karte gegen Napoleon ausgespielt, den man mit Varus verglich. Während des 1. Weltkrieges wandelte sich das Bild vom Freiheitskämpfer zum Märtyrer, was Parallelen zur Dolchstoßlegende zieht.

Warum Märtyrer? Arminius konnte nach gewonnener Schlacht seine Stellung nicht behaupten, wurde schließlich von seiner Familie ermordet und schon kurze Zeit später standen wieder Legionen in Germanien. Übrigens wurde Arminius, oder Hermann, wie wie er eingedeutscht hieß, in Rom militärisch ausgebildet und führte später eine Einheit germanischer Hilfstruppen in römischen Diensten. So kann aus dem Freiheitskampf auch schnell eine wenig rühmliche Meuterei werden.

P.S.: Auch Hitler war kein Fan von Arminius. Er träumte von einem Reich nach römischem Vorbild.

zum Weiterlesen:

  • Sommer, Michael: Die Arminiusschlacht. Spurensuche im Teutoburger Wald, Stuttgart 2009.
  • Wiegele, Rainer; Woesler, Winfried (Hrsg.): Arminius und die Varusschlacht. Geschichte, Mythos, Literatur, Paderborn [u.a.] 1995.
  • Wolters, Reinhard: Die Schlacht im Teutoburger Wald. Arminius, Varus und das römische Germanien, München 2008.

Bildnachweise:

 

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