„Straßen des Führers“ – Hat Hitler die Autobahn erfunden?

Nein, hat er nicht. Aber er hätte gerne. Deswegen hat er dafür gesorgt, dass viele Leute glauben, er wäre der Erfinder der Autobahn. Tatsächlich wurde die erste Autobahn in Deutschland bereits 1921 fertiggestellt. Die Pläne für ein ausgedehntes Autobahnnetz in Deutschland stammten nämlich bereits aus den 1920er Jahren. Die Nazis versuchten jedoch mit gezielter Propaganda den Eindruck zu vermitteln, dass Hitler für die Entwicklung verantwortlich gewesen sei.

 

Wer hatte die Idee?

Die Idee, in Deutschland eine Autobahn zu bauen, wurde von  den bereits existierenden „Highways“ in den USA sowie der „Autostrada“ in Italien inspiriert. Die Autostrada erstreckte sich seit ihrer Fertigstellung 1923 von Mailand bis zu den oberitalienischen Seen.

Briefmarke Avus

Briefmarke der Deutschen Post – 50 Jahre AVUS (1971)

In Deutschland erfolgte schließlich 1913 bis 1921 der Bau der Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße (AVUS). Auch nach der Fertigstellung der AVUS wurden weitere Ausbauten geplant und vorbereitet. Wichtig war hierfür die Arbeit des „Vereins zur Vorbereitung der Autostraße Hansestädte-Frankfurt-Basel“ (HaFraBa). Dessen Planungen für ein gesamtdeutsches Autobahnnetz waren schon 1927 soweit fortgeschritten, dass mit dem Bau hätte begonnen werden können. Aber bis auf eine Teilstrecke mussten die Pläne wegen der Wirtschaftsrezession in Deutschland am Ende der 1920er Jahre auf Eis gelegt werden. Auch der Begriff „Autobahn“ wurde vom Pressechef der HaFraBa, Kurt Kaftan, geprägt und nicht von dem NS-Regime.

Und die Nazis?

Zunächst lehnten führende NSDAP-Parteifunktionäre die fertigen Pläne der HaFraBa ab. Nach der Machtübernahme 1933 wurde die HaFraBa allerdings vom NS-Regime übernommen und der technikbegeisterte Autoliebhaber Hitler förderte die Umsetzung der Pläne. Im selben Jahr wurde der Bauingenieur Dr. Fritz Todt  zum Generalinspektor für  das deutsche Straßenwesen ernannt. Und so konnte bereits im September 1933 mit den Bauarbeiten an den HaFraBa-Autobahnen, nun „Reichsautobahnnen“, begonnen werden, wobei Adolf Hitlers erster Spatenstich wirkungsvoll in Szene gesetzt wurde.

Spatenstich Plakat 1933 von Heinrich Hoffmann, S.44

Propagandaplakat für Adolf Hitler und den Bau der Reichsautobahn (1933)

Zunächst lehnten führende NSDAP-Parteifunktionäre die fertigen Pläne der HaFraBa ab. Nach der Machtübernahme 1933 wurde die HaFraBa allerdings vom NS-Regime übernommen und Hitler förderte die Umsetzung der Pläne. Im selben Jahr wurde der Bauingenieur Dr. Fritz Todt  zum Generalinspektor für  das deutsche Straßenwesen ernannt. Und so konnte bereits im September 1933 mit den Bauarbeiten an den HaFraBa-Autobahnen, nun „Reichsautobahnen“ genanntn, begonnen werden. Hitlers erster Spatenstich wurde wirkungsvoll in Szene gesetzt. Der Bau der „Reichsautobahn“ wurde von den Nazis hauptsächlich zur Propaganda und weniger für militärische oder wirtschaftliche Zwecke eingesetzt. So sagte Generalinspektor Todt zu, dass 600.000 Arbeiter durch den Autobahnbau für sieben Jahre lang einen Arbeitsplatz erhalten sollten. Diese von der Propaganda versprochenen neuen Arbeitsplätze blieben allerdings weitgehend aus. Tatsächlich waren es in Spitzenzeiten nur ca. die Hälfte. Auch war das Auto ein Luxusgut. Nur wenige Deutsche besaßen eines. Außerdem wurden die Staatsgelder zu dieser Zeit meist für den Ausbau des bereits vorhandenen Straßen- und Eisenbahnnetzes, Wohnungsbau und Energieversorgung eingesetzt. Die entstandenen Kosten von ca. 6,5 Milliarden Reichsmark trugen zudem zum größten Teil die Bürger.

Von der Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) wurde die Reichsautobahn für Urlaubsreisen beworben. Der militärische Nutzen, den man heutzutage häufig vermutet, war hingegen kaum von Bedeutung. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren von den minimal angestrebten 6.000 km nur 3.800 km fertiggestellt.

 

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