Die Mutter aller Verschwörungstheorien – Die Protokolle der Weisen von Zion

Es gibt immer wieder Gerüchte über eine Weltverschwörung. Während geheimer Treffen sollen wenige Personen angeblich darüber bestimmen, wie die Zukunft auf dieser Erde aussehen soll. Gesteuerte Geldentwertung, Kriege und Armut werden ihnen zugeschrieben. Angeblich sollen sie auch die Nationalstaaten auflösen und eine zentrale Weltregierung erschaffen. Und immer wieder wird „den Juden“ die Schuld hierfür gegeben, denn so soll es schließlich in den „Protokollen der Weisen von Zion“ stehen.

Doch was genau hat es mit dieser Schrift eigentlich auf sich?

Wo kommt sie her?

Im Jahre 1903 wurden die „Protokolle“ erstmals in der russischen Presse veröffentlicht. Die erste von insgesamt 33 deutschen Ausgaben erschien im Jahre 1919 und wurde zu einem bedeutsamen Schriftstück in der antisemitischen Bewegung der Weimarer Republik. Durch weitere Übersetzungen verbreiteten sich die Protokolle auch in Frankreich, Großbritannien und den USA. Bis heute ist jedoch unbekannt, wer die „Protokolle“ verfasst hat.

Eine Theorie besagt, dass ein russischer Immigrant in Paris den Großteil des Textes aus einem Werk des französischen Schriftstellers Maurice Joly abgeschrieben und auf Juden übertragen hätte. Denn Joly selbst hatte wahrscheinlich gar nichts gegen Juden, sondern ließ in seinem Werk lediglich zwei alte Philosophen in der Unterwelt streiten. Dabei ging es vor allem gegen die Modernisierung des Staates. Auch die Behauptungen, die Protokolle wären eine Abschrift des antisemitischen Romans „Biarritz“ des deutschen Autors Hermann Goedsche von 1868 oder von russischen Rechtsradikalen in St. Petersburg zusammengetragen worden, hielten sich hartnäckig.

Was steht drin?

Im Wesentlichen präsentieren die „Protokolle“ eine bunte Mischung aus den damals bekannten Verschwörungstheorien. Es geht um die Erschaffung einer einzigen Weltregierung, welche durch die Weltbank, natürlich von Juden beherrscht, kontrolliert wird. Um dies zu erreichen sollen Kriege angezettelt werden, um ganze Erdregionen zu erschüttern. Auch die Geldentwertung soll angeblich vorangetrieben werden, um mehr Armut zu erzeugen. Der Zionistenkongress von 1897 in Basel, auf den sich das Werk inhaltlich bezieht, war jedoch komplett öffentlich und diente nur der Diskussion, ob eine gesicherte Heimstätte für die Juden in Palästina gegründet werden sollte.

Viele Teile des Protokolls sind der Fantasie entsprungen, wie etwa auch die Idee, U-Bahn-Schächte zu bauen, um ganze Städte auf einmal sprengen zu können. Die in den Protokollen enthaltene Kritik an der Modernisierung und Globalisierung der Welt war damals weit verbreitet und bekannt. Sie beschäftigte sich vor allem mit der Frage, welche Auswirkungen der zunehmende Einsatz von Maschinen und die immer weiter wachsende Industrie auf die Zukunft haben werden. Dabei wurde für die Zukunft ein düsteres Schreckensszenario gemalt. Einzige Hilfe: eine Rückkehr zur Natur. In ähnlicher Form kennen wir diese Debatte heute noch, wenn über Umweltschutz oder Roboter in der Industrie diskutiert wird.

Kann man das glauben?

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Ausschnitt aus der Londoner Times vom 16. August 1921

Das russische Innenministerium bewies schon wenige Jahre nach der Veröffentlichung, dass das Buch eine Fälschung war. 1921 schrieb die ‚New York Times‘ mehrere Artikel, welche die „Protokolle“ als Schwindel entlarvten.

Schließlich gab es von 1933 bis 1935 einen großen Gerichtsprozess in der Schweiz, der eindeutig bewies, dass die „Protokolle“ eine ausgedachte Schrift darstellen. Dennoch nutzten die Nazis das Schriftstück unter anderem für ihre Hetze und erklärten diese Verschwörungstheorie zum offiziellen Lehrinhalt an deutschen Schulen.

Bis heute noch werden die „Protokolle“ viel gelesen und sogar als Wahrheit verkauft, insbesondere in Russland und der arabischen Welt. Ebenso nutzen bis heute einige Personen die „Protokolle“ als Basis ihrer Ideen, ersetzen die Juden aber durch beispielsweise Illuminaten, Freimaurer oder Außerirdische. Viele Ereignisse, die angeblich in dem Schriftstück vorhergesehen wurden, haben jedoch nichts mit einer Weltverschwörung zu tun. Es handelt sich um Prozesse, die in einer globalisierten Welt üblich sind. Zudem gibt es heute viele globale Entwicklungen, welche den „Vorhersagen“ entgegenstehen. Beispielsweise verfügen bei weitem nicht alle Städte über ein U-Bahn-Netz und wenn doch, dann ist es oft viel zu lose, um für die prophezeite „Sprengung mit Hilfe der Tunnel“ genutzt werden zu können.

Schließlich nützt der Mythos von der Weltverschwörung nur Verschwörungstheoretikern der rechtsradikalen Szene, die mit ihren Schriften und Vorträgen vor allem Geld verdienen wollen. Dass sie dabei ihre Zuhörer aufgrund einer erfundenen Schrift belügen, nehmen sie gerne in Kauf. Dabei wird immer wieder vergessen, dass unsere moderne Welt viel zu unübersichtlich ist, als dass sie von einer kleinen Gruppe von Menschen gesteuert werden könnte. Es ist schlicht unmöglich alle Länder, egal wie reich man ist, zu kontrollieren und zu lenken. Denn alle Länder haben eigene Interessen und Wertvorstellungen, die von diesen Ländern verteidigt werden. Denkt man allein an aufstrebende Nationen wie China oder Indien, so wird klar, dass diese auch sehr gut ohne ausländische Banken bestehen können.

Auch wenn dem Großteil der heutigen Bevölkerung die „Protokolle“ nicht mehr bekannt sind, sind die Aufklärung und die Auseinandersetzung mit dem Thema jedoch weiterhin wichtig.

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