War Albert Einstein ein schlechter Schüler?

„Selbst Albert Einstein hatte nur eine Vier in Mathe!“ – Wer hat sich diesen Satz nicht schon einmal ins Gedächtnis gerufen, wenn er wieder mal mit einer schlechten Schulnote nach Hause gekommen ist? Auch in dem Intro der beliebten deutschen Kinderserie ‚Schloss Einstein‘ heißt es: „Selbst Einstein hatte nur ‘ne 4 in Mathe und war später mal total genial“. Dass Einstein sogar eine Sechs in dem Fach Algebra im Abiturzeugnis stehen hatte, wird vermutlich auf den ersten Blick jedem etwas Trost schenken, dem Mathe nicht ganz so leicht fällt.

War der Erfinder der Relativitätstheorie also etwa ein schlechter Schüler und schlummert damit möglicherweise in uns allen ein kleines Genie?

Albert Einsteins Kindheit und erste Schuljahre

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Albert Einstein als Jugendlicher, 1893

Albert Einstein wurde am 14. März 1879 in Ulm geboren, zog aber mit seinen Eltern und seiner Schwester schon im Sommer 1880 nach München.
Auch ein Genie wie Albert Einstein hatte seine Startschwierigkeiten, denn er lernte das Sprechen erst mit zweieinhalb Jahren und sprach dann jeden seiner Sätze doppelt aus. Dies wurde aber mit seinem Wunsch, so früh wie möglich in ganzen Sätzen zu sprechen, begründet. Auf seine schulischen Fähigkeiten hatte das jedoch keinen Einfluss, denn im Jahre 1885 wurde Einstein direkt in die zweite Klasse der katholischen Volksschule Sankt Peter in München eingeschult, da er zuvor schon ein Jahr lang privat unterrichtet wurde.

Einsteins Mutter schrieb in einem Brief an ihre Schwester im August 1886: „Gestern bekam Albert seine Noten, er wurde wieder der Erste“. Schlechte Noten hatte Albert Einstein zu diesem Zeitpunkt also scheinbar nicht.

Auch zwei Jahre später, als Einstein im Jahre 1888 an das Luitpold-Gymnasium in München wechselte, hatte er hervorragende Noten. Seine Note in Mathe war ab der fünften Klasse sogar durchgehend eine Eins. Woher kommt dann aber das Gerücht, dass Albert Einstein ein schlechter Schüler war?

 

Albert Einstein hat die Schule abgebrochen

Eine mögliche Erklärung für diese Annahme ist die Tatsache, dass Einstein die Schule abgebrochen hat. Dies tat er aber nicht etwa, weil er schlechte Noten hatte. Einstein hatte ganz einfach Heimweh nach seiner Familie. Während seine Eltern 1894 mit seiner Schwester zunächst in die Nähe von Mailand und dann nach Pavia gezogen sind, um dort die Firma ‚Einstein, Garrone e.C.‘ zu gründen, blieb Einstein bei seinen Verwandten in München und sollte dort sein Abitur machen. Er fühlte sich jedoch an der Schule schon lange nicht mehr wohl, sodass er Ende 1894 im Alter von 15 Jahren das Gymnasium ohne Abschluss verließ und seinen Eltern nach Mailand folgte.

Im Herbst 1895 scheiterte er außerdem an der Aufnahmeprüfung des Eidgenössischen Polytechnikums in Zürich, an dem er ohne Abitur hätte studieren können. Dies in Verbindung mit dem fehlenden Schulabschluss könnte zu dem Trugschluss des schlechten Schülers geführt haben. Jedoch war Einstein zu diesem Zeitpunkt auch noch zwei Jahre jünger als seine Mitbewerber, seine Leistungen in Mathe und Physik in der Prüfung waren aber dennoch sehr gut. Lediglich in den modernen Sprachen sowie Zoologie und Botanik reichten seine Fähigkeiten nicht aus.

Im Abitur hatte er nur Fünfen und Sechsen

Der Direktor des Züricher Polytechnikums, der auf Einsteins Kenntnisse in Mathe und Physik aufmerksam geworden war, empfahl ihm schließlich, sein Abitur an einem Schweizer Gymnasium nachzuholen. Einstein ging daraufhin an die Kantonsschule in Aarau.

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Albert Einsteins Abiturzeugnis, 1896

Sein Abiturzeugnis, das ihm im Jahre 1896 verliehen wurde, beinhaltete außer einer Drei und drei Vieren tatsächlich nur Fünfen und Sechsen. Mit diesem Zeugnis hätte er in Deutschland sein Abitur vermutlich gar nicht erst bestanden. Wer sich nun mit dem Schweizer Notensystem nicht auskennt, würde dem Gerücht, Einstein sei ein schlechter Schüler gewesen, sicher zustimmen.

Während in Deutschland die Sechs die schlechteste Note ist, erhält man diese in der Schweiz nur bei sehr guten Leistungen. Dementsprechend hatte Einstein mit seinen vielen Fünfen und Sechsen ein hervorragendes Zeugnis. Dies wurde jedoch von frühen deutschen Biographen falsch dargestellt.

Seit Lebzeiten ein „Genie“

Wer sich also immer eingeredet hat, dass in einem Selbst vielleicht doch noch irgendwo ein Genie steckt, wenn selbst Albert Einstein erst nach seiner Schulzeit seine eigentlichen Fähigkeiten unter Beweis gestellt hat, der wird nun etwas enttäuscht sein. Albert Einstein hatte doch gute Noten in der Schule und war demnach kein schlechter Schüler. Das Gerücht beruht lediglich auf Missverständnissen.

Zum Weiterlesen:

Zum Weiterschauen:

Bildnachweis:

Literatur:

  • Bührke, Thomas: Albert Einstein, 3. Aufl., München 2005.
  • Fischer, Ernst P.: Einstein. Ein Genie und sein überfordertes Publikum, Berlin/Heidelberg/New York 1996.
  • Frank, Philipp: Einstein. Sein Leben und seine Zeit, Braunschweig/Wiesbaden 1979.

Hyperlinks:

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Ein Gedanke zu “War Albert Einstein ein schlechter Schüler?

  1. Ich sage es ja immer wieder, wenn man in der Schule sitzen bleibt, ist das kein Problem, man kann immer noch zum Genie mutieren. Nein, Spaß bei Seite. Aber das Sitzen bleiben an sich ist nicht fatal oder gar einschneidend, es ist nur eine Konsequenz, welche gar nicht mal so schlecht ist. Denn es erzeugt einen Weckruf.

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